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Quergebürstet
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Kleine Bürstenkunde

Redecker Bürsten werden wie schon vor Jahrzehnten immer aus heimischen Hölzern und Borsten, Haaren oder Pflanzenfasern hergestellt. Für die unterschiedlichen Zwecke werden ganz unterschiedliche natürliche Materialien verwendet. Kunstfasern oder Kunststoffe kommen nur in ganz geringem Umfang für spezielle Anforderungen zum Einsatz.

Bürstenkörper

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Der hölzerne Bürstenkörper kann aus den verschiedensten heimischen Holzsorten gefertigt sein. Zum Einsatz kommen hauptsächlich Buche, Eiche, Birnbaum, Esche, oder – vor allem in der Körperpflege – Thermoholz oder Olivenholz. Thermoholz ist meist Eschenholz, das durch längerfris-tiges gleichmäßiges sanftes Erhitzen seine Poren verschließt und auch ohne Weiterbehandlung schon praktisch feuchtigkeitsunempfindlich ist. Das Holz dunkelt stark durch die Behandlung und bekommt einen leichten Rauchduft.
Je nach Zweck werden die Hölzer entweder unbehandelt weiterverarbeitet oder geölt bzw. gewachst.

Der Besatz

So nennen wir die Fasern oder Borsten der Bürste. Je nach Verwendungszweck verwenden wir die folgenden Materialien:

Besätze aus Tierhaar

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Rosshaar ist ein wichtiger Werkstoff für den Bürstenmacher. Zum Einsatz kommen die Haare vom Schweif. Die kräftigen Schweifhaare der Pferde eignen sich gut für die Herstellung von Spinnenfegern, Besen und Handfegern.

Der klassische Besatz für Rasierpinsel ist aus Dachshaar. Es hat gerundete Spitzen, so dass es die empfindliche Gesichtshaut nicht reizen oder verletzen kann. Seine Feinheit und Dichte sorgt für einen festen und reichhaltigen Schaum. In unseren Pinseln wird ausschließlich das hochwertige Kammhaar aus der Rückenpartie des Dachses verwendet.

Das mit Abstand weichste Material in unseren Bürsten ist das Haar der chinesischen Langhaarziege. Seine fast weißen feinen und dichten Haare werden in Staubbürsten und -pinseln sowie in Kosmetikpinseln, aber auch in Babyhaarbürsten verarbeitet.

Alle Naturhaare und -borsten werden vor der Verarbeitung in einem aufwendigen Verfahren und in mehreren Gängen gereinigt, gekocht und gekämmt. Diese Behandlung nennt man Zurichtung.

Besätze aus Naturfasern

Fibre, auch Tampicofibre genannt, wird aus den Blattrippen einer Agavenart gewonnen, die auf dem mexikanischem Hochplateau wächst. Sie hat ein hohes Wiederaufricht-Vermögen und wird für Scheuerbürs-ten, Spülbürsten und überall dort verwandt, wo es auf hohe Hitzebeständigkeit ankommt. 

Bassine ist ebenfalls eine Blattrippenfaser der in Indien und Sri Lanka vorkommenden Palmyra Palme. Das Mark des Stammes dieser Palme liefert das stärkehaltige Nahrungsmittel Sago. Diese harte Faser ist (wie alle Pflanzenfasern) nassfest und wird hauptsächlich für Scheuerbürsten und Schrubber verwendet. Meist wird sie gemischt mit Fibre zu Unionfibre. 

Arenga wird aus den Blattfasern der asiatischen Zuckerpalme gewonnen. Ihre natürliche Farbe ist dunkelgrau bis schwarz. Sie ist feiner und weicher als andere Palmfasern und trotzdem zäh und elastisch. Sie ist unempfindlich gegen Nässe und ideal für Besen im Außenbereich.

Sisal stammt aus den Blattfasern der mexikanischen Sisalpalme. Sie ist aufgrund Ihrer Widerstandskraft am besten in Matten, Läufern sowie in Massagehandschuhen aufgehoben. Als Besteckungsmaterial für Bürsten ist es weniger geeignet.

Kokos stammt von der Frucht der Kokospalme. Die Fasern lagern zwischen der äußeren, lederartigen Schale und der eigentlichen Kokosnuss. Sie können bis zu 30 cm lang werden und finden Verwendung als Besatzmaterial für Besen, Bürsten und Handfeger. Als geflochtene Stricke werden sie auch für Matten und Läufer verarbeitet. 

Die Bezeichnung Reisstroh ist etwas irreführend, da es sich nicht um eine Reisart handelt. Denn „Reisstroh“ stammt von der Sorghumhirse, einer Getreideart, die in den subtropischen Ländern bis in den Balkan beheimatet ist. Das Sorghostroh für die Herstellung von Reisstroh- oder richtiger Sorghobesen wird aus dem oberen Teil der gesamten Pflanze einschließlich der Rispen gewonnen. Die „Reisstrohbesen“ wurden in Deutschland erst seit den 60er Jahren durch die aus den Balkanländern zugewanderten Gastarbeiter bekannt.
 
Ebenso wie Reisstroh ist auch der Name Reiswurzel für die damit belegte Faser nicht korrekt. Denn das Material für die Wurzelbürsten stammt nicht von einer Reispflanze, sondern von einer Grasart namens Zacaton, die im mexikanischen Hochland als Unkraut wild wächst. Die falsche Benennung kommt wahrscheinlich vom spanischen Wort „Raiz“ = Wurzel. Tatsächlich handelt es sich bei dieser äußerst harten Pflanzenfaser um die fein gewellten Wurzeln dieser Pflanze, die für sehr harte Scheuerbürsten verwendet werden.

Fibel Bürstenkunde

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